" U N I P I C 1 . 0 "

von Ralf Kästner

Wie bereits in der letzten Ausgabe der "KC-News" angekündigt, soll heute die aktuelle Weiterentwicklung von "DIASHOW 1.0" vorgestellt werden. Nach gründlichen Überlegungen habe ich Ende 1993 die Entscheidung getroffen, das Programm in dieser Form vorerst nicht weiterzuentwickeln, sondern zu versuchen, die Möglichkeiten der "EDIPIC"-Versionen mit "DIASHOW" zu verbinden und ein Programm daraus zu machen, was beides kann.

Fällige Erweiterungen sollten dabei ebenso ihren Platz finden, wie die Verbesserung der Zeichenfähigkeiten von "EDIPIC" und eine Bedienung auf dem Niveau von von "DIASHOW". Ausschlaggebend war auch die Erkenntnis, daß es ziemlich lästig ist, mit "EDIPIC" einzelne Bilder zu entwickeln und anschließend ein anderes Programm zu laden, um die Show zu begutachten, bei Änderungen alles noch mal usw.

Nachdem im April 1994 eine Testversion an einige User gegangen war, wurde die Version 1.0 des neuen "UNIPIC" im September fertiggestellt. Die ersten Reaktionen waren ziemlich positiv, so daß der beschrittene Weg wohl richtig war, der folgende Beitrag nimmt an den entsprechenden Stellen auch Bezug auf die beiden Vorgängerprogramme, welche den meisten Usern bekannt sein dürften, sollte jemand weitere Informationen benötigen, kann er den Autor anrufen oder schreiben.

Allgemeines

Das Programm besteht aus dem Ladeprogramm und 10 Overlaydateien. Neben dem KC 85/4 werden mind. das D004 und vier beliebige RAM-Blöcke zusätzlich, z.B. 1*M011/64 kB, benötigt. Die Bildverwaltung entspricht "DIASHOW 1.0", es können also wieder max. 99 Bilder in Abhängigkeit der gesteckten RAM-Module und Erweiterung "on board" gleichzeitig geladen werden. Der mir bekannte praktische Spitzenwert eines Users liegt übrigens bei 51 Bildern.

Das Programm lädt, verteilt und installiert sich fast vollautomatisch auf dem User-KC-System, lediglich die verwendete Druckerschnittstelle und die Nutzung der V24-Kanäle bei zusätzlichen Eingabegeräten sind einmalig zu installieren. Im Programm befindet sich auch wieder der Treiber für das M008/M021, zur Bedienung über Joystick/Commodore Mouse.

Neben den klassischen Eingabemedien Tastatur und M008-Joy geht "UNIPIC" ein paar neue Wege, es kann auch über eine handelsübliche PC-Mouse (System-Mode) an V24 oder das grafische Tablett "robotron K6405" an V24 bedient werden.

Sicher fragen sich einige, wo soll ich das alles anschließen - das Programm kann 2 Module M003 und damit 4 V.24-Kanäle gleichzeitig parallel verwalten und schlägt CAOS damit ein Schnippchen, da dort in der Regel immer nur ein (aktiv geschaltetes) Modul des gleichen Typs genutzt werden kann. Bei mir sind Drucker, die PC-Mouse und das K6405 angeschlossen, es läuft stabil. Probleme traten mit den Schächten F0 und F4 im Floppy-Disk-Basis auf. Die Signallaufzeiten sind offenbar zu groß, die Folgen sind Abstürze bei Interrupts von M008/M003 und fehlerhafter Refresh-Zyklus bei dynamischen RAM-Modulen.

Sollten hier also Probleme, auch bei "DIASHOW 1.0", auftreten, sind diese Module im Grundgerät oder Busdriver zu betreiben, es liegt nicht an den Programmen!!! Die Bedienoberfläche wurde analog "DIASHOW" gestaltet, es gibt eine klare Trennung der Funktionen, ausgehend vom Hauptmenü (Menüverteiler, Installation, Benutzerkopie speichern, CAOS-Rücksprung) zu den 5 Funktionsmenüs in der nächsten Bedienebene.

Diskettenmenü

Hier kann man seine "Picassos" laden und speichern. Alle notwendigen Funktionen wurden in Form eines kleinen Diskettenmonitors zusammengefaßt. Wer DEP 2.0 oder höher installiert hat, kann alle Laufwerke/Userbereiche ansprechen, was aber nicht Bedingung ist.

Neben den Bildtypen PIC/PIP/PIF, HIP/HIF und FRC, können wie in "DIASHOW" beliebige IRM-Abzüge bzw. "Artstudio"-Dateien geladen werden, natürlich werden auch DSH-Bildershow's ("DIASHOW 1.0") und Zeichensätze im PTB- oder SET-Format aus "EDIPIC" eingelesen.

Eine wesentliche Verbesserung und damit Erleichterung gab es beim Laden von Bildern, mit >SPC< können mehrere Dateien markiert werden, welche das Programm dann fortlaufend automatisch lädt, Dateinamen müssen nicht mehr eingegeben werden. Im Unterschied zu "DIASHOW 1.0" werden die HIP/HIF-Dateien komprimiert gespeichert und sind deshalb dort in komprimierter Form nicht mehr darstellbar.

Beim Abspeichern der PTB-Dateien kann die Anfangsadresse im CAOS-Vorblock frei festgelegt und die Anzahl der abgespeicherten Zeichen von 1 bis 64 festgelegt werden, was den Einsatz in anderen Programmen erleichtert. Ergänzt wurden ebenfalls die Funktionen SETWR, SETRO, ERASE und RENAME, welche wieder mittels vorheriger >SPC<-Markierung für mehrere Dateien gleichzeitig ausgeführt werden können. Die Komprimierung beim Speichern von Bildern läßt sich ausschalten und eine STAT-Anzeige ist auch vorhanden.

Druckmenü

Auch beim Drucken gab es einige Erweiterungen gegenüber "EDIPIC", es können aber in der ersten Version noch keine HIRES-Bilder gedruckt werden. Unterstützt werden jetzt alle 3 KC-Druckmodule, M003/V.24, M001/CENTRONICS, M021/CENTRONICS. Die Druckparameter müssen nicht mehr über Ziffern eingegeben werden, sondern sind per Menüauswahl einstellbar und ständig zu sehen.

Für alle die "EDIPIC" nicht kennen, in Kurzform die Merkmale:

Hoch/Querformat, Pixel/Grauwert/Positiv/Negativdruck, doppelte Breite und/oder Höhe, Nutzung aller Grafikmodi des angeschlossenen Druckers (ESC/P - 6 Einstellungen, ESC/P2 - 5 Einstellungen), beliebiger linker Rand (0...80 Zeichen).

Fest integriert wurde nun auch der Treiber für Drucker mit ESC/P2-Betriebssystem (24-Nadler, Tintenstrahldrucker). Wie gehabt kann man wieder jede Druckzeile bis zu fünf mal überdrucken lassen, was auch bei schwachen Farbbändern zu einer annehmbaren Druckqualität führt.

Vollkommen neu sind die beiden Möglichkeiten komplette KC-Zeichensätze oder 4 einzelne Zeichen auf ein A4-Blatt auszudrucken. Bei den Zeichensätzen werden das Zeichen, der ASCII-Code lt. CCTL0...3 des KC und die acht Pixelbytes in dezimaler oder hexadezimaler Form in einer Zeile gedruckt, man erhält so eine schriftliche Unterlage, welche besonders für die Programmierer interessant sein dürfte.

Wer einen 24-Nadel-Drucker angeschlossen hat, muß beim Ausdruck der Zeichensätze für MODE eine ESC/P2- Einstellung verwenden, sonst paßt der Zeichensatz nicht auf ein A4-Blatt, das nur am Rande bemerkt, da es nicht im Bedienhandbuch steht!

Bildmenü

Das Bildmenü beinhaltet einige Funktionen zum Verwalten der geladenen Bilder und ist der Eintrittspunkt in die 3. Bedienebene, den Bildeditor (s.u.).

Man kann hier Bilder bzw. ganze Bildgruppen löschen, neue Bilder ohne Inhalt für den Editor anlegen, die im RAM vorhandenen Bilder umbenennen und Bilder in eine andere Bildnummer verschieben.

Weiterhin findet die Konvertierungsfunktion von HIRES-Bildern in LORES-Bilder (wie in "DIASHOW 1.0") ihren Platz. Erweitert wurde diese Funktion auf die umgekehrte Konvertierungsrichtung, die gesetzten Pixel eines LORES-Bildes können in eine der 4 HIRES-Farben (Vordergrund) und eine beliebig wählbare Hintergrundfarbe konvertiert werden, wodurch ein neues HIRES-Bild entsteht oder diese Pixel werden zu einem bereits vorhandenen HIRES-Bild addiert, womit man beliebige Montagen durchführen kann.

Showmenü

Das Showmenü entspricht im Wesentlichen "DIASHOW 1.0", es gab hier nur eine Verbesserung, man kann eine eingestellte Show jetzt nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts oder alternierend laufen lassen.

Dadurch mußte der Aufbau der DSH-Datei noch einmal geändert werden, was zur Folge hat, das alle DSH-Dateien, welche mit "UNIPIC 1.0" abgespeichert werden, in "DIASHOW 1.0" nicht mehr eingelesen werden können (führt dort zum "VERSION-ERROR").

Ansonsten wurden die Möglichkeiten des Bildablaufgenerators in den letzten "News" ausführlich erläutert, so daß dort nachgelesen werden kann.

Zeichensatzmenü

Das Zeichensatzmenü ist eine der wesentlichsten Neuerungen gegenüber EDIZEI in "EDIPIC". Es wurde nicht nur überarbeitet, sondern vollkommen neu konzipiert und programmiert. Man hat jetzt die Möglichkeit der Erzeugung und Bearbeitung von Zeichen (8*8 Pixel) und Icons (bis 32*32 Pixel) in allen möglichen Zwischenstufen.

Die vielen Befehle im alten EDIZEI wurden auf die relevanten Funktionen reduziert, wobei das Programm automatisch die Anzeige und Abspeicherung gewählter Zeichen aus und in den eingestellten Zeichensatz übernimmt. Die Bedienung erfolgt im vollen WYSIWYG, wodurch man jederzeit sehen kann, was verändert wird.

An Funktionen wurden das Löschen, Verschieben und Kopieren von Zeichen bzw. Zeichengruppen im Zeichensatz oder zwischen verschiedenen Zeichensätzen integriert. Über EDIT wird der Editor aufgerufen, dort kann man das Zeichen (Icon) in achtfacher Vergrößerung bearbeiten, wobei alle Veränderungen online auch in Originalgröße sichtbar sind.

Neben der Zeichencodeanzeige gibt es noch eine Schreibtestfunktion von Zeichen in einem Fenster. Im Zeichensatzmenü können auch die Füllmuster oder Pinselmuster der GRAFIC-Funktion des Editors bearbeitet werden. Über diesen Weg lassen sich auch eigene Muster im Programm integrieren, wobei man im Diskettenmenü die gewünschten Muster als Zeichensatz lädt und mit der COPY-Funktion an den richtigen Platz im Programm bringt.

Editor

Über EDIT im Bildmenü wird der neue Bildeditor für die PIP/PIF- Bilder aufgerufen, welcher mit EDIPIC40/41 eigentlich nur noch ein paar Ideen und gleichnamige Funktionen gemeinsam hat. Er basiert auf einem vollkommen neuen Konzept, nahezu alle wichtigen Bearbeitungsmöglichkeiten wurden verbessert bzw. komplett neu geschrieben.

Nach dem Start erscheint ein zentrales Steuermenü, dort werden jetzt alle Funktionen gestartet und auch beendet, wodurch man sich das Auswendiglernen der Tastenfunktionen ersparen kann. Alle zusätzlichen Tasten in einzelnen Funktionen werden entweder sofort angezeigt oder sind nach >F6< (Hilfsmenü) sichtbar. Lediglich auf den F-Tasten liegen feste Funktionen, welche aber in allen Routinen die gleiche Wirkung erzielen.

Im Steuermenü kann man durch alle PIP/PIF-Bilder blättern, wenn man eine Funktion aufruft, wird sie im bzw. mit dem eingestellten Bild durchgeführt.

Textmode

Im Textmode können Zeichen im 8*8 Pixelraster in das Bild geschrieben werden, wie in "EDIPIC". Die Zeichen aller 15 Zusatzzeichensätze können wie gewohnt über die Kleinbuchstaben genutzt werden. Es gibt eine automatische Schreibrichtungswahl, welche auch abschaltbar ist.

Bei zugeschalteter ZOOM-Funktion wird jetzt der Cursor aufgerissen, so daß man genau sehen kann, welchen Platz das vergrößerte Zeichen benötigt, Farb- oder Pixelmusterausgabe lassen sich auch zu- bzw. abschalten.

Es gibt keinen FSM bzw. HSM mehr, das Editierfenster kann beliebig zeilenweise über das angewählte Bild bewegt werden. Neu ist die WINEDIT-Funktion des Textmode, wo man ein Fenster definieren kann, welches dann ausschließlich bearbeitet wird. Diese Funktion kann bei der Bearbeitung von Bildteilen oder Tabellen vorteilhaft eingesetzt werden. Die Optionen werden direkt geschaltet (ohne Menüein- und -ausblendung), so daß man schneller arbeiten kann.

Grafic

Die Vollgrafik in "EDIPIC" stützte sich auf die vorhandenen CAOS-Unterprogramme, welche die Möglichkeiten des KC 85/4 allerdings nicht optimal nutzen. Im Programm "ArtStudio", was die meisten kennen werden, wird gezeigt, daß es auch besser geht.

Hemmend wirkt sich dort allerdings aus, daß alle Einstellungen zeitaufwendig über Menüs vorgenommen werden müssen, wobei diese nur mit dem Grafikcursor erreicht werden können. Das erlaubt kein punktgenaues schnelles Arbeiten, da der Cursor kein AUTOREPEAT hat und damit bei schneller Bewegungsgeschwindigkeit nur ungenau positioniert werden kann, bei langsamer dagegen alles recht lange dauert.

Es wurde daher versucht, erstens die Cursorpositionierung zu optimieren und zweitens das Leistungsspektrum so zu erhöhen, daß alle Möglichkeiten des KC 85/4 genutzt werden und natürlich auch ein paar neue Ideen einzubauen.

Die Vollgrafik in "UNIPIC" präsentiert sich deshalb im vollkommen neuen Gewand und dürfte wohl die meisten Wünsche erfüllen, es sollen hier aber nur die wichtigsten Eigenschaften genannt werden.

Man kann jetzt sofort farbige Grafiken in allen Vorder- und Hintergrundfarben (getrennt zu- und abschaltbar) erzeugen, welche auch so gespeichert werden. Es gibt einen "Turbocursor", welcher aber erst nach AUTOREPEAT Gas gibt, so daß man doch ziemlich genau arbeiten kann und trotzdem schnell ist, die Cursorposition wird auch angezeigt.

Am Aussehen des Cursors erkennt man die eingestellte Betriebsart (zeichnen oder löschen), wobei aber auch in einer Statuszeile alle wichtigen Einstellungen sichtbar sind. Zur Verfügung stehen 64 frei definierbare Pinselformen und 8 Linientypen, welche miteinander kombiniert werden können. Bei aktivem Pinsel erscheint die eingestellte Pinselform als Cursor.

Es ist jetzt auch möglich das Bild in GRAFIC zu wechseln, wobei alle Einstellungen erhalten bleiben, das ist wichtig, wenn man ähnliche Aktionen in aufeinanderfolgenden Bildern einer Show vornehmen will, wie in "EDIPIC" kann man über die Hintergrundfarben ein 8*8 Bildschirmraster einblenden, was das Zeichnen im Zeichenraster erleichtert, soviel zu den Kombinationsmöglichkeiten beim Zeichnen.

Alle vorgenannten Features wirken jetzt auf das eingestellte Werkzeug, wobei aus 12 Varianten eine ausgewählt wird und dann aktiv ist. Es stehen zur Verfügung: Punkt, Linie, verbundene Linien, Strahlen, Dreieck, Rechteck, Parallelogramm, Trapez, Kreis, Ellipse, Füllen und Sprühdose.

Das Programm merkt sich die Koordinaten für alle Werkzeuge (jedes Werkzeug für sich) von der letzten Benutzung, so daß man ähnliche Aktionen schnell durchführen kann, da man nicht jedesmal die Figur neu aufziehen muß, beim Zeichnen von Figuren gibt es wie gehabt eine Gummibandfunktion, wo aber schon der eingestellte Linientyp sichtbar ist. Gezeichnet wird wie in "EDIPIC" vorerst nur auf dem Bildschirm, mit >SPC< kann man Änderungen fest im Bild speichern, mit >U< rückgängig machen.

WINDOW-Funktionen

Größtes Plus von "EDIPIC" waren sicher die WINDOW-Funktionen, welche es möglich machten, die maximal 4 bearbeitbaren Bilder untereinander zu verknüpfen und so gemeinsam zu nutzen. War es doch so erstmals möglich, mehrere Bilder in einem Programm quasi parallel zu bearbeiten und aus Archiven schnell neue Bilder zusammenzusetzen, eine Eigenschaft von "EDIPIC", welche von allen Nutzern des Programmes sehr gelobt wurde und auch teilweise Erstaunen auslöste.

Leider waren zum damaligen Zeitpunkt nur wenige Bilder vorhanden, da allgemein das Zeichnen per Hand auf dem Computer eine mühselige Sache ist und auch ein wenig Talent erfordert. Mittlerweile ist dies alles kein Thema mehr, da Möglichkeiten zur Verfügung stehen, fertige Grafiken anderer Computer auf den KC zu portieren.

Herr Jödicke entwickelte beispielsweise das Programm 4PCX090.KCC was originale PCX-Dateien (sehr verbreitet auf dem PC) in 2 oder 4 Farben auf dem Bildschirm des KC 85/4 darstellt und als PIP- bzw. HIP/HIF-Datei auf die KC-Diskette schreibt. Über diesen Weg habe ich beispielsweise schon über 500 Bilder in die beiden "UNIPIC"- Formate konvertiert.

Da sich diese Entwicklung Ende 1993 schon abzeichnete, habe ich nach Wegen gesucht, die WINDOW-Funktionen so weiterzuentwickeln, daß auch ein pixelweiser Zugriff ohne spürbare Geschwindigkeitseinbußen möglich ist, um eine optimale Bildbearbeitung zu gewährleisten. Die zündende Idee lieferte ein PC-Heft mit Routinen zur Programmierung von VGA-Karten in Assembler - diese Algorithmen holen durch geschickte Programmierung die physikalisch mögliche Geschwindigkeit aus dem Computer heraus.

Die Um- und Übersetzung auf den KC-IRM und Z80-Code hat zwar einiges an Zeit und Nerven gekostet, letztendlich gelang aber die praktische Realisierung für den KC 85/4 in "UNIPIC", so daß gegenüber "EDIPIC" nahezu identische Geschwindigkeit erreicht wird, bei den SYMBOL-Funktionen geht es sogar noch schneller als dort. Das gesamte Modul wurde deshalb neu programmiert und gleich einige Erweiterungen integriert.

Man kann also nun das WINDOW von einem Pixel bis zum ganzen Bildschirm stufenlos einstellen. Die Pixelverknüpfungen OR, AND und XOR wurden durch OVER (Überschreiben) erweitert, so daß man nur noch einen Aufruf benötigt und diese Verknüpfungen in allen Pixelfunktionen zur Verfügung stehen.

An Fensterfunktionen stehen jetzt Löschen (neu), Austauschen (neu, gegenseitiger Austausch von zwei Fensterinhalten, nur im Quellbild), Rollen, Verschieben (nur im Quellbild), Kopieren, Negieren, Spiegeln an X-Achse, Spiegeln an Y- Achse und Drehung um 180 Grad zur Verfügung, diese Funktionen können sowohl mit Pixeln, als auch mit Farben allein oder mit Pixel und Farben gleichzeitig durchgeführt werden.

Wenn man die Farboption ausschaltet (COLOR off) können weiterhin die Pixel des Fensters um 90 Grad nach links oder rechts gedreht werden (Ausschnittanzeige dreht sich auch mit) das Vergrößern und Verkleinern ist natürlich auch möglich, zur Zeit allerdings nur mit ganzzahligen Faktoren.

Eine Verformungsfunktion wie in "Artstudio" gibt es jetzt auch, das funktioniert wie folgt, für alle die es noch nicht kennen: Man geht z.B. in GRAFIC und zeichnet dort am linken Rand eines Bildes (ohne Inhalt) eine schräge Hilfslinie von oben nach unten. Dann geht man in das gewünschte Bild und markiert nach dem Aufruf von DEFORM das Fenster, welches verformt werden soll. Anschließend schaltet man mit >SH+F5< oder >F6< in das Bild mit der Linie, dort stellt man die Ausschnittanzeige so ein, daß sich von oben bis unten links daneben die Linie befindet und startet mit >ET<.

Das Programm sucht jetzt ausgehend vom linken Bildrand das erste gesetzte Pixel im Bild, nachdem es gefunden wurde, wird der Abstand linker Bildrand bis Pixel zum linken Rand der Ausschnittanzeige addiert und der Inhalt der korrespondierenden Fensterzeile entsprechend nach rechts verschoben in das Bild geschrieben. Da die Linie schräg verläuft, ergibt sich damit auch ein "schräger" Fensterinhalt im neuen Bild, womit zum Beispiel bei Texten gute Effekte zu erzielen sind.

Unregelmäßige Verzerrungen lassen sich mit großen Ellipsenbögen am linken Rand erreichen. Für Überschriften sind Bogeneffekte ziemlich beliebt, das erreicht man, indem man im Textmode mit der ZOOM-Funktion große Buchstaben erzeugt und zunächst um 90 Grad nach links dreht, anschließend zeichnet man von rechts nach links am linken Rand einen großen Kreis oder eine große Ellipse, wobei der Mittelpunkt (Y) in der Bildmitte liegen muß, dann verzerrt man den gedrehten Text entsprechend und dreht ihn anschließend wieder zurück in die horizontale Position. Das ließe sich nun beliebig fortführen, soll aber erst mal genügen, man kann natürlich auch frei Hand am linken Rand entsprechende Formen zeichnen und dann verzerren.

Durch sinnvolle Kombinationen der vorhandenen Funktionen und Werkzeuge ist doch selbst mit dem KC 85/4 einiges machbar. Das bezog sich jetzt auf ausgeschaltete Farboption, umgedreht gibt es auch noch 3 WINDOW- Funktionen speziell für die Farben, also wenn PIXEL off geschaltet ist. Das sind die Komplementierung (aus hell wird dunkel, nicht identisch mit negieren) und der Austausch einer Vorder- oder Hintergrundfarbe gegen eine andere im Fenster, eine Funktion, welche von vielen Usern in "EDIPIC" gelobt wurde und welche jetzt auch wesentlich einfacher zu bedienen ist. Die vorgenannten Funktionen bietet das Programm automatisch, je nach Einstellung der beiden Schalter PIXEL bzw. COLOR, an.

Wie in GRAFIC wird jede Veränderung des angezeigten Bildes vorerst nur auf dem Bildschirm durchgeführt, erst nach >SPC< wird das jeweilige Bild so gespeichert, wie man es auf dem Bildschirm sieht, dies kann sofort erfolgen oder auch erst nach mehreren Vorgängen. Sollen vorgenommene Änderungen im Bild wieder verworfen werden, betätigt man >U<, dann wird das momentan angezeigte Bild restauriert, wobei der markierte Ausschnitt im Quellbild nicht beeinflußt wird.

Dadurch kann man unproblematisch mehrere Varianten oder Positionen der Verknüpfung durchprobieren. Dabei hilft jetzt sehr die nun durchgehende Möglichkeit mit >N< und >B< die Funktionen online zu wechseln, ein Feature, welches für unerfahrene Nutzer nicht zu empfehlen ist, bevor man die Funktionen und Reaktionen beherrscht!

Um den Bedienkomfort weiter zu erhöhen, wurde mittels >S< die Möglichkeit eingebaut, sofort ins Quellbild zur Ausgangsposition zurückzuschalten. Man kann natürlich auch wie in "EDIPIC" den Quellausschnitt mit mehreren Bildern nacheinander verknüpfen, die angewählte WINDOW-Funktion wird grundsätzlich erst mit >BRK< beendet.

Sonstige Funktionen

Die in "EDIPIC" vorhandenen anderen Funktionen sind entsprechend im Steuermenü integriert und ermöglichen das Einstellen des Tabulators, der Vorder- bzw. Hintergrundfarbe für alle anderen Funktionen, der ZOOM-Faktoren für EDIT/WINEDIT, der Icongröße, des aktuellen Zusatzzeichensatzes und das Löschen des kompletten Farb- und/oder Pixelinhaltes des eingestellten Bildes.

Die alte Funktion EDIT CURSOR wurde auf eine vollständige Lupenfunktion erweitert, welche eine Bearbeitung des Pixelmusters des eingestellten Bildes in achtfacher Vergrößerung und Originalgröße ermöglicht, wobei man sich in der Funktion über das ganze Bild bewegen kann.

Der PAINT COLOR MODE wurde so weiterentwickelt, daß jede Farbe direkt über eine Taste angewählt werden kann und getrennt Vorder- und/oder Hintergrundfarben verändert werden können, die Cursorgröße kann von 1*8 bis 8*8 stufenlos eingestellt werden.

Vollkommen neu sind das Schreiben bzw. Retten von Zeichen (8*8 Pixel) bzw. Icons (bis 32*32 Pixel) in allen Zwischenstufen von jeweils acht Pixeln in bzw. aus dem aktuellen Bild (u.a. alte "EDIPIC"-Funktion CURSOR TO TABLE). Beim Schreiben kann man auch die Farben und/oder Pixel abschalten.

Beim Retten von Icons werden diese zeilenweise von links nach rechts und oben nach unten in den eingestellten Zusatzzeichensatz an eine beliebige Position übernommen, wodurch man aus einem beliebigen Bild Zeichen oder Icons für eigene Programme erzeugen kann und so ohne großen Aufwand Semigrafik für den CAOS-Zeichengenerator erhält.

Zusammenfassung

Soweit zu den Leistungen des neuen Programmes. Mit der ersten Version steht nun ein einheitliches Grafiksystem für Diashows, Bilder in der normalen Farbauflösung und Zeichen bzw. jetzt auch Icons des KC 85/4 zur Verfügung.

Das verwendete Programmkonzept ist nach oben offen, so daß weitere Verbesserungen geplant sind, einige Ausblicke stehen bereits im Bedienungshandbuch. Gegenüber den Vorgängern hat das Programm wesentlich mehr Professionalität. Die Möglichkeit der Mousebedienung sollte jeder nutzen, da sie äußerst einfach zu realisieren und wohl von jedem nachvollziehbar ist.

Mit der neuen Iconfähigkeit dürfte das Programm das ideale Werkzeug zur Entwicklung von grafisch anspruchsvoller Software, z.B. von Spielen sein, da man ohne großen Aufwand alle Programmbildschirme zeichnen, bearbeiten und anschließend ausdrucken kann. Die Entwicklung des Quellkodes sollte dann ohne größere Probleme möglich sein, da man die gesamte Grafik mit "UNIPIC" entwerfen kann.

Die erste Version müßte von allen Interessenten genutzt werden können, da man nur 4 zusätzliche RAM-Blöcke benötigt, in folgenden Versionen wird mehr gebraucht werden, als Richtwert etwa 8 zusätzliche Blöcke, also 2 M011 bzw. ein größeres Modul oder man rüstet den internen RAM auf 256 kByte auf.

Alle, die das Programm richtig ausnutzen wollen, sollten sich ohnehin Gedanken über eine Verbesserung der RAM-Größe machen, eine Diashow mit 3 oder 4 Bildern erlaubt noch keine großen Effekte, Spaß macht es erst ab 10 Bilder aufwärts. Alle mit "UNIPIC" erzeugten Bilder (auch die komprimierten HIP/HIF-Dateien) lassen sich im neuen "WordPro 6.0" von Herrn Leubner einladen, wodurch eine Zuarbeit möglich ist.

Das Programm kann direkt beim mir bezogen werden, wobei eine formatierte CAOS-Diskette mit einem adressierten und frankierten Rückumschlag (A5 oder A4) einzuschicken ist. Folgende Leistungen enthält das komplette Paket:

  • Hauptprogramm "UNIPIC 1.0"
  • alle notwendigen Dateien für den Anschluß einer PC-Mouse an M003
  • 2 Füllzeichensätze, 1 Pinselzeichensatz
  • 3 Zeichensatzsammlungen (SET's)
  • 56 neue Bilder im PIP- bzw. HIP/HIF-Format
  • Schaltplan zum Anschluß des K6405 an M003/V24 (PIP-Bild)
  • ausführliches gedrucktes Bedienhandbuch (63 Seiten) im A5-Format

An Kosten entstehen für registrierte "EDIPIC"-Besitzer 10,- DM Update-Gebühr, Neueinsteiger bekommen das Programm für 20,- DM. Das alte "EDIPIC" sollte man nicht ganz vernichten, da dort der Datenaustausch mit Kassette und Diskette möglich ist. Wer alle alten "EDIPIC"-Bilder haben will, muß insgesamt drei Disketten schicken.

Service

Wie von anderen Rechnern bekannt, macht es am meisten Spaß, wenn man aus fertigen Vorlagen eigene Kreationen zusammenstellen kann, man muß das Fahrrad ja nicht jedesmal neu erfinden.

Um allen KC- und speziell Grafik-Freaks in dieser Richtung entgegenzukommen, habe ich angefangen, CLIPART-Disketten für den KC aufzulegen. Auf der Lieferdiskette von "UNIPIC" befinden sich bereits einige neue Beispielbilder.

Zum Zeitpunkt Dezember 1994 stehen insgesamt etwa 630 Bilder (davon etwa 460 neue, noch nicht im Umlauf) im PIP- bzw. HIP/HIF-Format zur Verfügung. Es kommen aber ständig neue Bilder hinzu, wobei Folgendes geplant ist:

  1. Diese Bilder sollen über die Beilagediskette zu den "News" nach und nach allen Klubmitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
  2. Ich wäre im beschränkten Umfang auch bereit, spezielle Bilder im KC- Format zu liefern. Da wohl jeder Zugang zu einem PC hat, kann er Bilder in einem PC-Format auf einer PC-Diskette (3,5" oder 5,25") an mich schicken, ich würde dann eine Konvertierung auf den KC vornehmen, sofern es sich nicht gerade um ...MByte handelt.

Bei gescannten Bildern sollte man aber darauf achten, daß die Auflösung so gewählt wird, daß nicht mehr als 800*600 Bildpunkte entstehen, da sonst durch die notwendige Verkleinerung auf das KC-Format zu viele Details verloren gehen. Wer kleine PC-Disketten schickt, muß aber eine 5,25"-Diskette für die Speicherung der KC-Bilder mitschicken!