3. Modulares Mikrorechner-System K 1510


Das erste Mikrorechnersystem der DDR wird ab 1978 vom VEB Kombi-
nat Robotron gefertigt /24/, /58/, /63/. Es verwendet den Mikro-
prozessor U 808 des VEB Funkwerk Erfurt als funktionsbestimmen-
den Teil. Der modulare Aufbau im EGS-System (Kartenformat 135 x
170 mm2, direkte 90-polige Steckverbinder, Baugruppeneinheiten
480 x 160 x 240 mm3 mit Unibus für Karten und verschaltbar für
Stromversorgungs-Module) ermöglicht einen flexiblen Einsatz in
unterschiedlichsten Anwendungsfällen. Als Ergänzung zu den Modu-
len, die in einer Mikrorechner-Kassette zu einer Einheit zusammen-
gefaßt sind, gehören zum System eigenständige Peripheriegeräte der
Datenverarbeitung. Ebenso ist eine ausgebaute Software Bestandteil
des Systems: Steuerprogramme, Ein-Ausgabe-Programme, Arithmetik-
Standard-Programme, Cross-Assembler (CRASS 4000- K 1510), Cross-
Simulations- und Testsystem (CRST 4000- K 1510), Cross-Aufberei-
tungsprogramm (CRAP 4000- K 1510).

Eine Übersicht zu den Komponenten des Mikrorechner-Systems MRS
K 1510 und der Anschlußgeräte zeigt Bild 32.




3.1. ZVE K 2511, Zentrale Verarbeitungseinheit


Die Zentrale Verarbeitungs-Einheit (ZVE) enthält die CPU U 808,
den Taktgenerator und Ergänzungselektronik.
Die Funktionsgruppen verteilen sich auf zwei ZVE-Steckkarten
(Bild 33).


ZVE-Zentrale: Taktgenerator,
ZVE-Schaltkreis,
Anpaßschaltung,
Auffangregister,
Steuerung (teilweise).

ZVE-Steuerung: Dekoder,
Befehlsdekoder,
Adressenerweiterung,
Interruptmaske
Interruptbehandlung,
Steuerung (teilweise).



Entsprechend den Parametern der CPU U 808 hat die ZVE des
K 1510-Systems folgende technische Kennwerte:

- Verarbeitungsbreite: 8 bit parallel (1 Byte),
- Wortlänge der Befehle: 1, 2, 3 Byte,
- Befehlszahl: 48,
- Adressierbare Speicher: 16 KByte,
- Befehlsausführungsdauer: 13,5...49,5 µs,
- Interruptleitungen: 8,
- adressierbare Tore: Eing.: 48; Ausg.: 128


3.2. ZVZ K 2011, ZVE-Zusatzeinheit


Die ZVZ-Karte ist eine ZVE-Zusatzeinheit mit 32-Byte-Kellerspei-
cher und Steuerlogik zur effektiven Interruptbehandlung. Der
zusätzliche Kellerspeicher dient der Rettung der Inhalte der
Universalregister und der Bedingungs-Flip-Flops der CPU U 808.
Damit können erhöhte Interrupt-Anforderungen peripherer Geräte an
die ZVE erfüllt werden.


3.3. PFS K 3810, Festwertspeicher


Die programmierbaren Festwertspeichermodule können auf vorhandenen
Steckfassungen (24-polig, DIL) mit PROMs von 0,25 KByte (1 x ROM
z.B. 1702) bis zu 4 KByte (16 x ROM) bestückt werden.
Die Adressenabstufung beträgt 2 K Byte.


3.4. OSS K 3512, Lese-Schreib-Speicher


Die Lese-Schreib-Speichermodule OSS dienen der Speicherung
variabler Daten und Befehle. Dabei sind folgende Varianten
wählbar (U 202) : OSS K 3512.01: 4 KByte;
OSS K 3512.02: 2 KByte;
(CM 8001): OSS K 3512.03: 1 KByte


3.5. Anschlußsteuerungen


Zum flexiblen Anschluß verschiedener peripherer Geräte der Daten-
verarbeitung, Meßtechnik und Büromaschinentechnik enthält das Mi-
krorechnersystem folgende Anschlußsteuerungen (je eine Karte):

- ADA K 6010: Sif 1000 (daro),
- AFM K 8510: Fernschreibmaschine (S 1),
- ASV K 8511: V 24-Schnittstelle (S 2),
- ASI K 9210: SI 1.2 (Eingabe),
- ASI K 9211: SI 1.2 (Ausgabe),
- ABS K 7010: Bildschirmeinheit (BSE),
- ATA K 7011: alphanumerische Tastatur (TAS),
- ABD K 7012: Bedieneinheit (BDE),
- ABW K 6012: Blockdruckwerk daro 1132,
- DEI K 9212: Digitaleingabemodul
(2 Karten, 1 x TTL, 1 x RGK 20),
- AMB K 5010: Kassettenmagnetbandgerät,
- ASD K 6011: Spaltendrucker,
- DAR K 9213: Digitalausgabemodul.


3.6. STM Stromversorgung


Tabelle 15 gibt eine vollständige Übersicht der Stromversorgungs-
Baugruppen. Ihre Unterbringung erfolgt in einer eigenen Strom-
versorgungs-Baugruppeneinheit.
Jede Baugruppe ist autonom und kann somit auch vom Mikrorech-
ner unabhängig genutzt werden. Das Parallelschalten von Modu-
len ist nicht zugelassen. Da es sich um Schaltnetzteile han-
delt, besitzen sie einen hohen Wirkungsgrad bei kleinen Ab-
messungen und geringem Volumen.
Der Netzfilter-Modul ist besonders bei industriellem Einsatz
des K 1520 vorgesehen.
Eine Modulkassette (STM) faßt fünf Module der 20 Watt- und
zwei Module der 50 Watt-Serie. Die Ausgangsspannungen sind
gegen Stromüberlastung und Spannungsüberhöhungen geschützt.



3.7. Eingabe-, Bedien- und Anzeige-Einheiten des Mikrorechnersystems K 1510


Zum Aufbau kompletter Mikrorechenanlagen enthält das K 1510-System
eigenständige Peripherie-Geräte:

BSE K 7210:
Die Bildschirmeinheit dient als universelle Anzeigebaugruppe
mit 8 Zeilen je 32 alphanumerischer Zeichen auf einem 31 cm
Bildschirm

BDE K 7612:
Die Bedieneinheit wird vielfältig zur Testung von Programmen
des K 1510-Systems bei der Inbetriebnahme, der Wartung und der
Nutzung des Mikrorechners angewandt. Sie besitzt Anzeigeelemen-
te für 4 Rechnerzyklen, 2 Rechnerzustände (Warten und Halt) und
14-Bit-Adressen bzw. 8-Bit-Daten. Mit Hilfe eines 14-Bit-Schal-
ter-Registers können Adressen und Daten (Befehle) eingegeben
werden.

TAS K 7610:
Die Tastatur besitzt eine anpaßfähige Ausstattung:

-Alphanumerische- und Sonderzeichen,
-Ziffern und Sonderzeichen.

Sie kann in unterschiedliche Anwender-Bedienpulte oder Bedien-
schränke eingesetzt werden.

EZU K 2012 Echtzeituhr (eine Steckkarte):
Die Echtzeituhr dient zum Start und zur Steuerung von Anwender-
programmen im Grundimpulsraster 1, 10, 100, 1000 ms einstellbar.


3.8. Programme zum Mikrorechnersystem K 1510


Zum Leistungsangebot der Mikrorechner-Systemtechnik gehört neben
der Bereitstellung der modularen Baugruppen auch die Nutzung um-
fangreicher Programmier-Hilfsmittel, die es gestatten, Anwender-
programme sowohl auf universellen EDV-Anlagen als auch auf dem
Mikrorechnersystem K 1510 selbst zu übersetzen und zu testen.
Tabelle 16 gibt eine Übersicht zu den vom Kombinat Robotron lie-
ferbaren Programmen (MOS-maschinenorientierte Systemunterlagen).
Darüber hinaus sind durchentwickelte Standardprogramme für
wiederkehrende Rechenoperationen verfügbar. Programme, die auf,
universellen EDV-Anlagen laufen, werden auch als Cross-Programme
bezeichnet. Solche Rechner haben hierbei die Funktion des Wirts-
rechners zur Entwicklung der Programme der Mikrorechner.
Residente Programme auf Mikrorechnern zum Entwurf von Mikrorech-
nerprogrammen werden auch als Basis-Software bezeichnet.
Das Cross-Assembler-Programmsystem benutzt als Wirtsrechner
die universellen Rechenanlagen R 4000 und R 4200. Die Über-
setzerprogramme sind in FORTRAN IV geschrieben und stehen als
Quell -Lochstreifen zur Verfügung. Sie umfassen folgende Lei-
stungen:

- Programmierung der Anwenderprogramme des K 1510 in
U 808-Assemblersprache mit symbolischen Adressen.
- Definition von Makros mit symbolischen Adressen.
- Bedingte Assemblierung von Anweisungsfolgen.

Das Cross-Simulations- und Testsystem umfaßt:

- Befehls-Abarbeitung des Anwenderprogramms.
- Tests und Protokollanweisungen
Anfangsadresse, Endadresse, Unterbrechungsbedingungen,
Registersatz, Speicherplätze.
- Dialog- und Job-Betrieb für Testläufe

Zur Programmentwicklung mit dem K 1510 selbst dient der Pro-
grammierarbeitsplatz PAPL 1510 als Entwicklungssystem. Er
ermöglicht eine komfortable Eingabe, Testung, Korrektur und
Fixierung von Mikrorechnerprogrammen im direkten Dialog.
Zum Programmierarbeitsplatz PAPL 1510 gehören folgende Ge-
räte:

- Mikrorechner K 1510 , Bedieneinheit K 7612
- Lochbandleser daro 1210, Lochbandstanzer daro 1215
- Programmierzusatz K 0410
- Bildschirmeinheit K 7210, Tastatur K 7610
- Spaltendrucker daro 1154

Die Programmbestandteile sind in Tabelle 16 erläutert.