Bericht vom 6. Treffen des KC-Clubs

von Jörg Linder

"Alle Jahre wieder." So oder so ähnlich könnte man das Geschehen des Treffens zusammenfassen. Mittlerweile haben wir uns schon zum sechsten Mal versammelt und eine gewisse Routine entwickelt. Selbiges trifft übrigens auch für mich zu, denn wieder einmal ist mir die Aufgabe zuteil geworden, den Bericht zu verfassen -- da halfen weder versteckte Hinweise noch lautstarke Proteste. Doch wie gewohnt, alles hübsch der Reihe nach.

Als ich am Freitag um ca. 15.30 Uhr eintraf, sind mir zunächst zwei Dinge aufgefallen. Zum einen die einmalige Lage des Jugenddorfes; direkt am Wasser. Vermutlich hatten wir noch nie eine derart idyllische Umgebung bei unserem Treffen und vermutlich würden wir auch diesmal nichts davon mitbekommen. Zum anderen erblickte ich ein Auto mit weit aufgerissener Kofferraumklappe. Das konnte nur eines bedeuten: Hier war ich richtig.

Etliche Anlagen waren bereits aufgebaut und ihre Eigentümer in die übliche Fachsimpelei vertieft, als ich den Raum betrat. So waren beispielsweise Frank Dachselt und Enrico Grämer bereits seit dem Vormittag mit dem Scanner-Modul beschäftigt. Auch Ralf Kästners "Grafik-Workstation" zeigte schon die neueste UNIPIC-Version. Während Mario Leubner gerade seine Anlage aufbaute, traf Hendrik Wagenknecht ein. Er hatte diesmal wieder seine Eisenbahnanlage mitgebracht. Bis zum Abend steigerte sich die Anzahl der anwesenden Clubmitglieder auf 18, während sich 7 KCs auf den Tischen mehr oder weniger breit machten.

Das Geschehen an diesem Freitagabend kann man getrost als ruhig bezeichnen. Lediglich hin und wieder waren hinter vorgehaltener Hand die Worte "ZDF", "Fernsehen" und "Aufnahme" zu hören. Aber so recht konnte oder wollte es dann doch niemand glauben.

Im Gegensatz zu früheren Treffen fanden wir schon gegen 1 Uhr den Weg in die Bungalows und damit ins Bett. So wirkten beim Frühstück am Samstag alle ziemlich munter. Das war auch gar nicht so verkehrt, denn kurz vor 8.30 Uhr betrat jemand den Speiseraum, begrüßte uns herzlich und stellte sich als der Herr Thies vom ZDF vor. Zusammen mit dem Kameramann erkundete er das Gelände und sie machten Außenaufnahmen. Inzwischen hatten auch die letzten ihren Kaffee getrunken und es konnte richtig losgehen.

Glücklicherweise waren die beiden Herren vom ZDF recht zurückhaltend, so daß ihre Berichterstattung unser Treffen nicht störte. (Im Vorfeld gab es massive Bedenken, daß zuviel von unserer "KC-Zeit" verloren gehen könnte.) Vor allem die "exotische" Hardware stand im Rampenlicht. Aufgeschraubte KCs, der Z 1013 und besonders der LC 80 weckten das Interesse. Ein paar spontane Interviews gehörten natürlich ebenso dazu wie die Aufnahme des offiziellen Teils.

Letztgenannter wurde durch Andreas Ose eröffnet. Er hieß uns, auch im Namen des Organisators Axel Hermann, willkommen und legte dann den Kassenbericht vor. Demnach ergab sich im letzten Jahr ein ordentlicher Überschuß. Zum Abbau desselben machte Andreas zwei Vorschläge: Senkung des Unkostenbeitrages oder eine kostenlose Ausgabe der KC-News für alle Mitglieder. Frank Dachselt griff die Idee der Freiausgabe auf, wandelte sie jedoch in eine Art Bonussystem für Autoren ab. Demnach sollte jeder Autor für einen Artikel mit einer Länge von mindestens einer Seite eine Ausgabe der KC-News gutgeschrieben bekommen. Dieser Vorschlag wurde im folgenden diskutiert, allerdings ohne endgültiges Resultat.

Dietmar Meyer wies erneut darauf hin, daß seine Bestände an 5,25"-Disketten zu Ende gehen. Zwar hat er für das kommende Jahr nochmals einen größeren Posten der begehrten Scheiben bekommen, aber wir müssen uns wohl oder übel nach Alternativen umschauen. Dietmar machte auf die Möglichkeit zum Erhalt des Disketteninhaltes per eMail aufmerksam und bot auch die Verwendung von 3,5"-Disketten an. Im Laufe des regen Austausches wurde auch die Benutzung des Downloadbereiches unserer Website diskutiert.

Momentan sind jedoch alle diese Varianten zum Scheitern verurteilt, denn ein großes gelbes Dilemma macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Post stellt sehr strenge Anforderungen an Infobriefe: Mindestens 50 Stück müssen exakt den gleichen Inhalt aufweisen. Schon die "Mischbestückung" mit großen und kleinen Disketten würde den kostengünstigen Versand als Infobrief ausschließen. Wir haben also beschlossen, uns im nächsten Jahr erneut mit dieser Frage zu beschäftigen.

Nach diesen sehr clubbezogenen Themen gab es noch einige Neuigkeiten zu ZSDOS und NZ-COM zu verkünden. Beide sind mittlerweile als Freeware im Internet erhältlich. Mit Ausnahme weniger Utilities kann man das komplette ZSDOS über die Homepage des TCJ (The Computer Journal) herunterladen. Bevor man an die Z-Systeme NZ-COM und/oder Z3PLUS von Gabys Homepage (im Bereich Download -> Z-System) gelangt, muß man ein kleines Formular ausfüllen. Dieses hat lediglich den Zweck, Jay Sage darüber zu informieren, wie oft und von wem die Software heruntergeladen wurde.

Als Ausgangspunkt für beide Softwarepakete eignet sich übrigens unsere Homepage (www.kc-club.de) hervorragend. Wer keine Zugangsmöglichkeit zum Internet hat, kann sich auch an mich wenden. Übrigens stehen für beide Z-Systeme die Handbücher sowohl als HTML-Archiv als auch in Form einer PDF-Datei zur Verfügung.

Wem es im vorigen Absatz noch nicht aufgefallen sein sollte: Der KC-Club ist ab sofort auch unter

http://www.kc-club.de

erreichbar. Es handelt sich dabei nur um eine "vorgeschaltete" Seite, über die man weiterhin zu http://www.iee.et.tu-dresden.de/~kc-club/ gelangt. Neben der einprägsameren URL stand vor allem die Reservierung der Domain im Vordergrund.

Woran erkennt man das Ende des offiziellen Teils? Richtig, am Gänsemarsch zum Gruppenfoto. Eine Bühne, direkt am Ufer des Müggelsees gelegen, bot sich geradezu an. Unter (schwachem) Protest reihten sich nach und nach alle Anwesenden auf, um dann von mehreren Kameras aufgenommen zu werden. Selbstverständlich fing auch die Fernsehkamera dieses Bild ein.

Nach diesem kurzen Ausflug an der frischen Luft stürmten alle wieder auf ihre angestammten Plätze. Letzte Aufnahmen für den Fernsehbeitrag wurden gemacht, dann verabschiedete sich auch das ZDF; natürlich gab es zuvor noch den Hinweis auf die Sendung: Sonntag, 16. April 2000, 12.48 Uhr "blickpunkt".

Inzwischen war es Zeit für eine kleine Stärkung geworden. Dank der intensiven Frühlingssonne konnte, wer wollte, das Mittagessen auf der Terrasse genießen. Anschließend standen die Präsentationen auf der Tagesordnung. Zunächst zeigten Enrico Grämer und Frank Dachselt die Rechnerkopplung KC - PC mit Hilfe des neuen Scanner-Moduls. Genauer gesagt, wurde dazu die schnelle, serielle Schnittstelle benutzt. Trotz intensivster Bemühungen traten immer noch Übertragungsfehler auf.

Weil diese Fehler jedoch unabhängig von der gewählten Geschwindigkeit die Übertragung störten, ging Frank von einer fehlerhaften Programmierung des Controllers aus. Sobald diese Fehler ausgemerzt sind, dürften Übertragungen mit 115.000 Bit/s kein Hindernis mehr sein.

Mit unvermindertem Einsatz bastelt Enrico indes schon an einem weiteren Modul. Auf dem Treffen zeigte er erstmals das SCSI-Interface der "Öffentlichkeit" und konnte mittels eines Beispielprogrammes auch die Funktionstüchtigkeit nachweisen. Zum einen wurden auf dem Bildschirm die angeschlossenen Geräte angezeigt, zum anderen ließ sich die Wiedergabe einer eingelegten Audio-CD mittels Tastendruck starten. Sicherlich gibt es in naher Zukunft in den KC-News mehr darüber zu lesen.

Nachdem wir soviel über das M051, so die offizielle Bezeichnung des Scanner-Moduls, erfahren hatten, wollte uns Ralf Kästner die Benutzung des Scanners anhand eines neuen UNIPIC-Overlays zeigen. Allerdings hatte er seit dem Freitagabend mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. Mitten im Kopiervorgang hatte die Festplatte einfach abgeschaltet und dabei einem Directory-Eintrag den Garaus gemacht, was nun die gesamte Partition D: in Mitleidenschaft zog.

Trotzdem gelang es Ralf, das neue Overlay in voller Funktion zu zeigen. Es ist übrigens das erste Overlay, welches die in UNIPIC eingebaute User-Schnittstelle benutzt. Am späten Abend weihte uns Ralf in einer Sonderpräsentation in die programmiertechnischen Geheimnisse ein. Eigentlich ist es gar nicht so schwer, ein User-Overlay für UNIPIC zu programmieren. Doch davon wird uns Ralf in den KC-News bestimmt selbst überzeugen.

Neben der Unterstützung des Handscanners standen vor allem die stark erweiterten Druckfunktionen einschließlich Posterdruck im Vordergrund. Was in den KC-News bereits zu lesen war, beeindruckte nun dank des von Ralf hervorragend ausgewählten Bildmaterials: Eine Druckqualität, die sich mit der von PCs messen kann. Einzig die Wartezeit -- 45 Minuten bei 9 KC-Bildern mit 360 dpi - strapaziert die Geduld mitunter gewaltig.

Bereits zum Abendbrot hatten sich die Reihen erheblich gelichtet. Dieser Trend hielt auch danach an, so daß schon am frühen Abend irgendwie "die Luft raus" war. Wie zuvor erwähnt, gewährte uns Ralf einen Einblick in die Programmierung von UNIPIC. Mit der Zeit ist die Zahl der verfügbaren Unterprogramme und Routinen auf über 80 angewachsen, wobei alle uneingeschränkt genutzt werden können. Nur die ordentliche Dokumentation bzw. die dafür notwendige Zeit bereitet Ralf noch etwas Kopfzerbrechen.

Obwohl die Schnittstelle für User-Overlays alles andere als uninteressant war, brannten wir natürlich darauf, das von ihm entwickelte Objektsystem kennenzulernen. Wirklich und wahrhaftig hatte Ralf seine vollständigen Aufzeichnungen, sozusagen vom Tag Null an, dabei. Das Allerheiligste von UNIPIC ist schon faszinierend. Im Grunde braucht der Programmierer nur noch die Eigenschaften der Objekte und ihre dazugehörigen Unterprogramme zu definieren. Alles andere von der Darstellung und Aktualisierung auf dem Bildschirm bis hin zum Aufruf bei Doppelklick wird vollständig vom Objektsystem übernommen.

Abgesehen von einem ordentlichen Gewitter mit reichlich Niederschlag ging der Tag ziemlich unspektakulär zu Ende. Mit stark dezimierter Teilnehmerzahl starteten wir in den Sonntag. Wie immer, so wollte auch diesmal beim Abbau der Anlagen keine richtige Stimmung aufkommen. Beim Mittag füllten nur noch 12 Clubmitglieder die Stühle. Diese (Stühle, nicht Mitglieder) wurden anschließend im Halbkreis vor Hendriks Fernseher aufgestellt.

Gespannt warteten wir auf die Sendung "blickpunkt" im ZDF. Der Vorpsann zeigte keinen Hinweis auf unser Clubtreffen und wir befürchteten bereits das Schlimmste, als der Moderator plötzlich von "Kult" und "DDR-Computern" sprach. Viel zu schnell waren die wenigen Minuten des Berichtes vorbei, ebenso wie unser Treffen wieder viel zu schnell vorbei war. Zum Schluß gab es das mittlerweile Tradition gewordene Abschlußfoto und einen letzten Handschlag mit dem Wunsch, uns im nächsten Jahr wiederzusehen.

Beinahe hätte ich aber eine andere Tradition vergessen: die Statistik. Insgesamt waren 32 Teilnehmer anwesend. Außer den Clubmitgliedern waren auch einige dabei, die noch welche werden wollen. Neun KC-Anlagen sorgten gegenüber einem Z 1013, einem LC 80, einem KC 87, einem K 8912, vier PC-Laptops und einem Apple PowerBook für einen zahlenmäßigen Ausgleich. Ungezählt blieben hingegen die vielen Grundgeräte und Aufsätze, die während des Treffens den Besitzer wechselten.