Anschluß eines 3,5"-Diskettenlaufwerkes

von Mario Leubner

Wie beim Klubtreffen zu sehen war, habe ich mein D004-Drive um ein 3,5"-Diskettenlaufwerk erweitert. Erfreulicherweise funktioniert auch der Datenaustausch mit dem KC-Format (780K), was durch ein fehlerfreies Lesen der 3,5"-Disketten von Uwe Felgentreu bewiesen wurde. Auch Jörg Linder kann dieses Format mit seiner CPU280 verarbeiten.

Der Vorteil der kleineren Disketten:

  • 3,5"-Disketten sind in einer stabilen Plastikhülle und deshalb unempfindlicher.
  • Nach eigenen Erfahrungen sind die 3,5"-Disketten auch sicherer als 5,25"-Disketten, bis jetzt hatte ich noch keinen einzigen Diskettenfehler!
  • Nicht zuletzt der Transport auf dem Postweg in einem Standardbrief für 1,- DM ist preiswerter.

Aus diesen Gründen habe ich mich entschlossen, den Anschluß meines Laufwerkes in Form dieses Beitrages aufzubereiten und somit für andere nachvollziehbar zu machen.

Verwendet habe ich ein PC-Laufwerk vom Typ "Teac FD235HF", angegeben mit 1,44MB - also ein HD-Laufwerk. Da wir zwar für unsere 800K nur DD-Disketten brauchen, ist zwar ein HD-Laufwerk nicht erforderlich, aber das HD-Laufwerke kann problemlos auch DD-Disketten verarbeiten. DD-Laufwerke werden für PC's auch nicht mehr angeboten. Dazu kommt die Möglichkeit, daß man später ja auch mal 1,44MB-Disketten auf dem KC verwenden könnte!?

Folgendes Material wird benötigt:

Bezeichnung

Preis


Stromversorgungskabel 5,95
Uni-Floppy-Kabel 14,90
PC-Laufwerk 1,44 MB 89,00

Die Preise sind noch von '95, ich habe 1994 für das Laufwerk noch 10,- DM mehr bezahlt, eventuell sind die Laufwerke auch noch preiswerter zu haben.

Das Gehäuse des D004-Drive bietet genug Platz zwischen dem Original-Laufwerk und dem Netzteil, um das neue Laufwerk aufzunehmen. Der mechanische Aufwand für den Umbau beschränkt sich auf das Aussparen der Frontplatte und das Einbauen eines kleinen Bleches, worauf das 3,5"-Laufwerk befestigt wird. Hier sollte jeder nach seinen Möglichkeiten vorgehen.

Für den elektrischen Anschluß ist ein Stromversorgungskabel erforderlich. Das oben angegebene Kabel wird einfach zwischen das vorhandene Kabel und das 5,25"-Laufwerk gesteckt und die beiden anderen Stecker zu den Laufwerken geführt.

Etwas mehr Aufwand ist für den Anschluß an den Datenbus erforderlich. Das oben angegebene Uni-Floppy-Kabel besitzt genügend Steckverbinder, um verschiedene Laufwerke miteinander zu verbinden. Das Kabel muß aber etwas modifiziert werden, um die unterschiedliche Belegung auszugleichen. Ich habe das alte Flachbandkabel aus der Klemmverbindung auf der Leiterplatte gelöst, und das neue dort eingesetzt. Dabei ist größte Sorgfalt geboten, damit alle Kontakte der Schneidklemmen wieder richtigen Kontakt geben. Denkbar wäre es auch, auf der Leiterplatte eine entsprechende Pfostenleiste einzusetzen und das neue Kabel anzustecken.

Wie aus der nachfolgenden Tabelle hervorgeht, gibt es einige Unterschiede in der Belegung der Steckverbinder. Die ersten 6 Kontakte sind an unserem Original-Laufwerk nicht angeschlossen. Der /HD-Anschluß muß nicht unbedingt belegt werden, wenn man nur DD-Formate verwenden will.

Steckerbelegung:

K5601

Kontakt Masse

PC-Laufwerk


frei 2 1 /High Density
/IN USE 4 3 reserviert
/DS3 6 5 frei
/Index 8 7 /Index
/DS0 10 9 /Motor on A
/DS1 12 11 /Drive Select B
/DS2 14 13 /Drive Select A
/Motor on 16 15 /Motor on B
/DIR 18 17 /Direction
/Step 20 19 /Step Pulse
/WR-Daten 22 21 /Write Daten
/WR-Befehl 24 23 /Write Enable
/Track 0 26 25 /Track 0
/WR-Protect 28 27 /Write Protect
/RD-Daten 30 29 /Read-Daten
/SS 32 31 /Select Head 1
/Ready 34 33 /Disk Change

Das KC-Floppy-System gestattet den Anschluß von 4 physischen Laufwerken - entsprechend den Signalen /DS0 bis /DS3. Jedes Laufwerk ist dabei als /DS0 angeschlossen. Die Drehung der Signale erfolgt auf der Leiterplatte zwischen den Anschlüssen XFI und XFO, an XFD ist das Laufwerk angeschlossen:

XFD      XFI      XFO
/DS0 <-- /DS0
/DS1 <-- /DS1 --> /DS0
/DS2 <-- /DS2 --> /DS1
/DS3 --> /DS2

Das Signal /DS0 wird nicht zu XFO weitergegeben, da hier das Laufwerk angeschlossen ist, /DS3 wird nicht zum Laufwerk weitergeleitet. Jetzt muß eine Entscheidung getroffen werden, mit welchem Signal das neue Laufwerk angesteuert werden soll. Ich habe mich dafür entschieden, /DS2 zu benutzen. Das 3,5"-Laufwerk ist demnach mit der physischen Adresse 2 ansprechbar. Damit ergibt sich die Möglichkeit, ein zweites D004-Drive an XFO anzuschließen, das unverändert die physische Adresse 1 besitzt. Wird ein weiteres 3,5"-Laufwerk in das zweite D004-Drive eingebaut und ebenfalls auf /DS2 gelegt, ergibt sich durch die Drehung die physische Adresse 3. Als Resultat erhält man 2 völlig identische Geräte und alle 4 Laufwerke sind ansprechbar.

Da am PC-Bus nur 2 Laufwerke (Drive A und B) anschließbar sind, ist das Interface-Kabel so zu modifizieren, daß bei aktivem /DS2 die Anschlüsse "/Motor on B" und "/Drive Select B" gleichzeitig aktiviert werden. Das Laufwerk ist dabei mit dem Jumper als Drive 1 zu konfigurieren, was der Standardeinstellung bei Auslieferung entspricht. Die folgende Skizze zeigt, welche Leitungen dafür getauscht werden müssen, um die erforderliche Beschaltung zu erreichen:

Eine weitere Besonderheit stellt das Signal auf Leitung 34 dar. Dieses Ready-Signal wird vom D004-Basis ausgewertet und meldet die Bereitschaft des Laufwerkes (Diskette ist eingelegt und Motor dreht sich). Das 3,5"-Laufwerk meldet auf dieses Leitung einen Diskettenwechsel als Impuls. Das Signal läßt sich also nicht verwenden. Als Ausweg habe ich das Signal /DS2 nach zweimaliger Negation mit einem Open-Kollektor-Gatter eines DL003 zum Ready-Signal geleitet. Der Anschluß 34 des Laufwerkes bleibt frei. Das Ready-Signal steht also sofort mit Aufruf des Laufwerkes an. Da aber beim Einsatz im PC ohnehin keine Ready- Meldung verwendet wird, kann das Laufwerk auch so fehlerfrei arbeiten. Eine nicht eingelegte Diskette kann jedoch nicht mehr erkannt werden.

 

Floppyanschluß

Bild 1: Modifikationen zum Anschluß eines 3,5"-Diskettenlaufwerkes

Die Modifikation des Kabels besteht also in einer Drehung der Leitungen 14 bis 16 und dem Auftrennen der Leitung 34. (ACHTUNG! Das Kabel für die PC-Laufwerke ist an anderer Stelle gedreht!) Da der Anschluß XFD nur 26 Kontakte hat, ist wie bei dem Kabel aus dem D004-Drive ein Teil der Leitungen an dieser Seite abzutrennen. Um einen neuen Steckverbinder in Schneidklemmtechnik anzupressen immer eine neue Stelle des Kabels benutzen. Zum Pressen selbst gibt es Spezialzangen, bewährt hat sich auch ein Schraubstock wenn man entsprechend vorsichtig an die Sache geht. Wichtig ist nur, daß alle Kontakte gleichmäßig in die Schneidmesser gedrückt werden. Nach der Kabelherstellung sollte man zur Kontrolle nochmal alle Kontakte durchprüfen.

Auf der Leiterplatte im D004-Drive ist die Verbindung XFI-B5 zu XFD-B11 aufzutrennen, XFD-B10 mit XFD-B11 zu brücken und die beiden Leitungen zum Anschluß des DL003 anzuzapfen. Der DL003 kann auf einer kleinen Uni-Leiterplatte im Gehäuse des D004- Drive befestigt werden. Eine zusätzliche Verbindung zu Masse und +5V im Netzteil ist ebenfalls noch vorzusehen, damit der DL003 arbeiten kann. Der pull-up-Widerstand von ca. 1kOhm zwischen den beiden Gattern des DL003 ist für eine ordnungsgemäße Funktion erforderlich. Am Ausgang des zweiten Gatters befindet sich die /Ready-Leitung, die eine Open-Kollektor-Busleitung darstellt. Statt des DL003 ist auch eine kleine Transistorschaltung denkbar, wodurch sich der Hardwareaufwand jedoch nicht reduziert.

Zum Betrieb des Laufwerkes muß noch erwähnt werden, daß das Laufwerk z.B. mit MSYSG.COM in der PC-Betriebsart installiert werden muß. Dabei ist es wie ein 5,25"-Laufwerk (Typ 1.6) zu behandeln und auf 780K einzustellen. Mit der angegebenen Beschal-tung kann man zwar nicht vom kleinen Laufwerk booten, ein Umschalter, der die beiden Signale /DS0 und /DS2 tauscht, könnte dies jedoch hardwaremäßig ermöglichen. Aus diesem Grund habe ich die Systemspuren vorgesehen und nicht das 800K-Format benutzt.

Wer unter CAOS die von mir geschriebene Version von DEP V2.2 (DEP22.COM) benutzt, kann ohne Modifikation das Laufwerk mit H: als 780K-Laufwerk ansprechen. Die Belegung aller Laufwerke ist u.a. in der Beschreibung DEP22.TXW enthalten.