Bericht vom Z-Fest 1998

von Jörg Linder

Das KC-Jahr hatte mit dem Clubtreffen bereits im April seinen Höhepunkt erreicht. Bekanntlich gibt es aber noch eine andere alljährliche ,,Großveranstaltung`` in Sachen 8-Bit-Technik: das Z-Fest in Güglingen. Während wir uns beim KC-Clubtreffen den 20. Geburtstag des Betriebssystems CP/M zwar auf die Fahnen geschrieben, ihn aber eigentlich nur beiläufig gefeiert haben, war er DER Mittelpunkt des '98er Z-Festes. Aber alles hübsch der Reihe nach...

In diesem Jahr war es mir gelungen, meinen Chef von der Notwendigkeit eines zweiwöchigen Urlaubes im Frühsommer zu überzeugen. Bevor er seine Entscheidung revidieren konnte, hatte ich flugs meine Sachen gepackt und mich auf den langen Weg nach Güglingen bei Heilbronn/Neckar gemacht. Schließlich war es bereits das dritte Mal, daß ich dorthin fuhr, ohne auch nur das geringste von der Umgebung gesehen zu haben. Das sollte sich diesmal ändern! So habe ich unter anderem dem Kloster in Maulbronn einen Besuch abgestattet. Die am vollständigsten erhaltene und damit eindrucksvollste Klosteranlage nördlich der Alpen ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und wirklich einen Besuch wert.

Leider widerfuhr auch diesen Urlaubstagen das gleiche Schicksal wie ihren Artgenossen zuvor - sie waren viel zu schnell vorbei. Doch somit rückte das Z-Fest näher. Am Freitag reiste Tilmann Reh mit Familie an; auf dem Heimweg vom Urlaub machten sie für das Treffen bei Vogelmanns Zwischenstation.

Aufgrund des erwarteten Andrangs hatten Roderich, Uwe und Christian anstelle der Räume im Obergeschoß des Hauses vorsorglich die ehemalige Scheune für das Treffen hergerichtet. Wie klug diese Entscheidung war, zeigte sich nach Anreise der ersten Teilnehmer. Bei durchschnittlich zwei Kisten Computerkram pro Person und daraus resultierend eine Stellfläche von jeweils ca. 2 Quadratmetern wurde der anfangs so üppig scheinende Platz zusehends knapp.

Mit dem Eintreffen von Helmut Jungkunz wurde es wahrlich eng. Er hatte seinen Kombi bis zum Achsbruch beladen und holte nun eine Rarität nach der anderen aus dessen Innenraum hervor. Abgesehen von Laptop und CPU280, die ja zu Helmuts Grundausstattung gehören, brachte er unzählige CP/M-Literatur und einen Videoprojektor mit.

Während wir uns Videos ,,aus der guten alten Zeit`` vom Trenton-Trip, dem '96er KC-Clubtreffen oder den Z-Festen ansahen, verteilte Helmut seine ,,Mitbringsel``. Irgendwie hatte es etwas von Weihnachten - niemand wurde vergessen, für jeden hat er aus den schier unendlichen Weiten der Kisten und Kartons genau den Leckerbissen hervorgeholt, nach dem man schon seit Ewigkeiten gesucht hat. Ich habe übrigens ein paar (Software-)Dokumentationen bekommen; natürlich in Englisch, aber wie sollte es anders sein...

Das größte ,,Mitbringsel`` war jedoch ein kompletter HP9000. Dieses Wunderwerk der Technik beherbergt nicht nur den Rechner einschließlich Tastatur und Drucker in einem (!) Kompaktgehäuse, auf den der via Steckverbinder angeschlossene Monitor aufgesetzt wird, sondern ist auch waaahnsinnig schwer. Zu seinen ,,Lebzeiten`` hat der HP9000 fast 100.000,- DM gekostet. Wenn ein Mann derart schwere Technik auffährt, kann nur eine Frau im Spiel sein, in diesem Fall eine äußerst charmante und attraktive dazu!

Gaby Chaudry, die ,,Neuentdeckung`` der CP/M-Szene, war absoluter Mittelpunkt des Treffens und wurde umschwärmt wie das Licht von den vielzitierten Motten. So mancher Technikverliebte würde beim Anblick ihrer Sammlung erblassen. Die Kölnerin gewährt unter www.gaby.de einen Einblick in ihr kleines Museum, das nun um den besagten HP9000 reicher ist.

Zugegeben, neben Gabys Erscheinung wirkte alles andere beim Treffen etwas nebensächlich, doch einen weiteren Höhepunkt möchte ich keineswegs unerwähnt lassen. Helmut Jungkunz würdigte die herausragenden Leistungen um CP/M im allgemeinen und das Z-System im besonderen mit einem Preis: Mario Leubner aus unserem Club darf sich stolz ,,Z-User 1998`` nennen! Die Verleihung des Preises, den ich stellvertretend entgegennehmen durfte, wurde von Andreas Kißlinger auf Video gebannt. (So haben wir beim nächsten Z-Fest wieder 'was zu gucken. ;-)

Bereits beim Treffen des KC-Clubs zeichnete sich ab, daß 1998 ein gutes Jahr für Rekorde ist. Zwar reichte die Zahl der Teilnehmer bei weitem nicht an das von unserem Club gewohnte Niveau heran, aber 24 Personen sind doch auch eine recht beachtliche Zahl, zumindest ist es neuer Z-Fest-Rekord. Nicht minder positiv die Bilanz der aufgebauten Geräte: 22 Rechner aller Betriebssysteme und Leistungsklassen werkelten friedlich nebeneinander, während ihre Besitzer über Vorteile der eigenen und Nachteile der jeweils anderen Hardware heißblütig diskutierten.

Nicht ganz so aufregend war der Chat im Internet, mal abgesehen davon, daß sich der TCP/IP-Stack von Robert Sterff alle halbe Stunde verabschiedet hat und neu gestartet werden mußte. Nur Bill Kibler hat sich von der anderen Seite des Ozeans eingeklinkt. Ansonsten konnte man die Lage guten Gewissens als ruhig bezeichnen.

Das ist auch das Stichwort für mich. Ich bin jetzt ebenfalls ruhig und hoffe, daß die Fotos ein wenig von der Atmosphäre wiedergeben (können).

Man sieht sich im Zabergäu!